Junglandwirtetag 2026: Hofnachfolge muss endlich attraktiver werden

Zufriedene Gesichter beim Junglandwirtetag: Redner:innen und Vorstandsteam der Junglandwirte Niedersachsen:

„Hat sich die Situation für die Hofnachfolger nach den großen Bauerdemos vor zwei Jahren inzwischen verbessert?“ Mit dieser Frage eröffnete Max Klockemann, Vorsitzender der Junglandwirte Niedersachsen, vergangenen Freitag den Junglandwirtetag 2026 in Bad Bevensen. Mehr als 400 Junglandwirtinnen und Junglandwirte sowie Gäste aus Politik und Verbänden waren der Einladung der Junglandwirte Niedersachsen und des Arbeitskreises junge Landwirte Uelzen gefolgt.
Unter dem Eindruck immer schwierigerer Rahmenbedingungen machte Klockemann deutlich, wie ernst die Lage für den Berufsnachwuchs ist:

Max Klockemann befragt einen Junglandwirt, der beim Junglandwirtetag zu Gast ist, zur Hofnachfolge

In den vergangenen 20 Jahren ist die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland um 20 Prozent gesunken. Gleichzeitig ist die Hälfte der Betriebsleiter älter als 55 Jahre. Bei zwei Dritteln der landwirtschaftlichen Betriebe ist die Nachfolge ungeklärt. „Das ist dramatisch“, brachte es der Ackerbauer aus dem Weserbergland auf den Punkt. „Hofnachfolge muss dringend wieder attraktiver werden.“ In einem eindringlichen Appell an die Politik forderte er endlich mehr Planungssicherheit und mehr Wertschöpfung in den Betrieben sowie weniger Einflussnahme durch den Handel und einen Rückbau der Bürokratie. Die junge Generation der Landwirte steht in den Startlöchern, und das Interesse am Beruf ist groß. Das belegen die steigenden Ausbildungszahlen in Niedersachsen. „Wir wollen und wir können“, betonte Klockemann mit Blick auf den gut ausgebildeten Berufsnachwuchs.

David McAllister, Europaabgeordneter

Der Europaabgeordnete David McAllister nahm die Junglandwirte mit auf eine Reise von der Entstehung der Europäischen Union nach dem zweiten Weltkrieg bis heute. Über 80 Jahre Demokratie und Frieden seien unschätzbar hohe Güter. Jeder und jede einzelne ist vor Ort gefordert, beides gegenüber den zunehmenden antidemokratischen Kräften zu verteidigen. McAllister warb darüber hinaus für eine starke, geschlossene Europäische Union. Diese befindet sich seit Jahren im Krisenmodus. Angesichts der damit verbundenen gigantischen Herausforderungen könnten einzelne Nationen nichts ausrichten. Das ginge nur gemeinsam. Die größten Zukunftsaufgaben der Europäischen Union sind für McAllister: Wettbewerbsfähigkeit, Verteidigungsfähigkeit und Handlungsfähigkeit. Mit Blick auf die strategische Bedeutung der Landwirtschaft unterstrich der Politiker, dass die Ernährungssicherheit eine fundamentale Frage für die Zukunft Europas sei und nicht leichtfertig aufgegeben werden dürfe.

Stefanie Sabet, Generalsekretärin des Deutschen Bauernverbandes

Stefanie Sabet, Generalsekretärin des Deutschen Bauernverbandes, griff die Sorgen der Junglandwirte auf und rief ihnen zu „Unser Ziel als Bauernverband ist klar: Sie als junge, ambitionierte Menschen sollen sich nicht mit unnötigen Hürden auseinandersetzen müssen, sondern sich wieder ihrem Kerngeschäft – Ackerbau und Tierhaltung – widmen können.“  Sabet zeigte anhand konkreter Beispiele auf, welche wichtigen Verbesserungen der Bauerverband aktuell für die Landwirtschaft erkämpft habe: Streichung der Stromstoffbilanz, Einführung der 90 -Tage -Regelung für Saisonarbeitskräfte, Aufnahme des Wolfs in das Jagdgesetz und Entlastungen im Energie – und Stromsteuergesetz. Erst vorige Woche habe die CDU bei ihrem Bundesparteitag in Stuttgart zudem den Antrag auf eine Ausnahme vom Mindestlohn für Saisonarbeitskräfte angenommen. Sabet versicherte den Junglandwirten, dass sich der Bauernverband weiterhin für die Belange der Landwirtschaft einsetzen werde. Die Hofnachfolge dürfe nicht an schlechten Rahmenbedingungen scheitern.

Prof. Dr. Heiko Tapken, Hochschule Osnabrück

Heiko Tapken, Professor der Ingenieurwissenschaften und Informatik an der Hochschule Osnabrück, hatte ein Praxisthema im Gepäck: „Künstliche Intelligenz in der Landtechnik: Zwischen Fiktion und Realität“. Er zeigte anhand praktischer Beispiele auf, was Künstliche Intelligenz in der Agrartechnik leistet. Tapken betonte, dass sich die beste Künstliche Intelligenz der Zukunft nahtlos – und idealerweise unbemerkt – in agronomische Abläufe integriere: Digitale Zwillinge könnten landwirtschaftliche Betriebe künftig in Echtzeit unterstützen und Entscheidungsprozesse verbessern. Als wichtiges Thema für 2026 benannte Tapken die Datensouveränität und betonte, dass die Hoheit über Betriebsdaten klar beim Landwirt liegen müsse.

Podiumsdiskussion mit allen Redner:innen

In der abschließenden Podiumsdiskussion ging es um die Verteidigung der Demokratie in der Europäischen Union, die Wettbewerbsfähigkeit und das Budget der Gemeinsamen Agrarpolitik der Europäischen Union sowie die KI-Abhängigkeiten vom Ausland.

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